Renate Stadlbauer

Da Renate ein luftiger Typ ist, schätzt sie besonders die erdende Qualität der Yogapraxis.

Es gibt einen Kraftort, an den ich mich immer dann begebe, wenn Veränderungen bevorstehen oder gerade stattfinden. Wenn ich in der Morgendämmerung auf dem kleinen Hügel stehe, begreife ich für einen kurzen Moment, dass er schon ewig vor mir da war und auch ewig nach mir da sein wird. Meine kleine Existenz berührt ihn nur für einen winzigen Augenblick. Diese Erkenntnis hat etwas Befreiendes, und meine Pläne, Sorgen und Ängste relativieren sich dadurch schlagartig.

Renate, was bedeutet Yoga für dich?
Da sind einerseits die offensichtlichen Vorteile und Wirkungen: Yoga bedeutet, Stress abzubauen, in Bewegung zu sein und gleichzeitig zur Ruhe zu kommen. Aber im Kern geht es im Yoga für mich um die Suche nach Wahrhaftigkeit.

Wie bist du zum Yoga gekommen?
Schon als Jugendliche habe ich mich für Yoga interessiert, damals habe ich allerdings hauptsächlich darüber gelesen. Ich war immer schon auf der Suche nach etwas, das dem Leben eine Richtung gibt, nach Denkanstößen, die mir helfen, das Leben besser zu verstehen und zu gestalten. Deshalb habe ich mich bei Yoga und Meditation gut aufgehoben gefühlt, und habe hin und wieder Kurse besucht. Fixer Bestandteil meines Lebens und meines Alltags ist Yoga aber erst in den letzten Jahren geworden – ich kann es mir gar nicht mehr wegdenken.

In deinen Unterricht integrierst du immer wieder Elemente aus dem Shadow Yoga. Was reizt dich an diesem Stil besonders? 

Grundsätzlich sind meine eigene Yogapraxis und mein Unterricht natürlich immer im Wandel, doch im Moment beschäftigt mich besonders die erdende Qualität des Shadow Yoga. Ich bin eher ein luftiger Typ, und der Wind der Veränderung bläst mir ständig um die Ohren. Deshalb tut es mir gut, immer wieder die Energie nach unten holen und mich zu verwurzeln. Diesen Aspekt des Yoga möchte ich weitergeben, denn den meisten Menschen schadet Erdung nicht, gerade heutzutage, wo vieles chaotisch und schnelllebig ist.

Wie läuft eine typische Yogastunde bei dir ab?
Nach Zeit fürs Ankommen starten wir mit Warm ups, darauf folgt eine dynamische Praxis, und dann schließt sich der Kreis, indem wir von der Bewegung zurück in die Stille finden.

Was machst du, wenn du gerade nicht Yoga übst oder unterrichtest?
Ich liebe die Natur und nutze die Bewegungsfreiräume des Körpers auf vielfältigste Weisen aus. Außerdem tobe ich mich gerne kreativ aus, dabei lege ich mich aber ungern fest –  das kann sich immer wieder anders ausdrücken :-)

Warum bist du auf der Welt?
Diese Frage stelle ich mir selbst jeden Tag – aber vielleicht geht es um genau das: Ich bin hier, um die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu verstehen, beziehungsweise sie so zu akzeptieren, wie sie ist. Und ich denke, ich bin auch hier, um dieses Verständnis mit anderen zu teilen, es weiterzugeben.

Gibt es ein Ritual, das für dich besonders wichtig ist?
Es gibt einen Kraftort, an den ich mich immer dann begebe, wenn Veränderungen bevorstehen oder gerade stattfinden. In der Morgendämmerung wandere ich an diesen Platz und bringe etwas hin, gebe etwas ab oder verbrenne etwas – was auch immer gerade passend ist. Dieser Ort befindet sich auf einem kleinen Hügel, er ist umgeben von Wald, man trifft dort praktisch nie jemanden, nur in der Ferne sind ein paar vereinzelte Bauernhäuser zu sehen. Von dort oben kann ich den Sonnenaufgang wunderbar beobachten – er ist für mich ein Sinnbild für Veränderung und Neugeburt. Wenn ich dort oben stehe, begreife ich für einen kurzen Moment, dass dieser Hügel schon ewig vor mir da war und auch ewig nach mir da sein wird. Meine kleine Existenz berührt ihn nur für einen winzigen Augenblick seines Daseins. Diese Erkenntnis hat etwas Befreiendes, und meine Pläne, Sorgen und Ängste relativieren sich dadurch schlagartig.

Was ist deine Lieblings-Yogaübung? 

Im Moment ist das Atikrantam (encircling oneself) aus dem Shadow Yoga. Dabei dreht man sich von der Brücke ausgehend einmal um die eigene Achse.

Diese Übung funktioniert bei mir nur, wenn mein Kopf frei ist. An manchen Tagen klappt es überhaupt nicht, da ist meine Hüfte verkrampft und mein Kopf viel zu schwer. Daran merke ich, dass ich gerade an etwas anhafte und meine immer wiederkehrenden Gedanken nicht loslassen kann.

An anderen Tagen hingegen drehe ich mich im Kreis um mich selbst, als wäre es das Einfachste auf der Welt.

Es fasziniert mich, dass ich diese Übung nicht einfach körperlich beherrschen kann, sondern dass es ganz viel mit meiner inneren Verfassung zu tun hat, ob sie gelingt oder nicht.

 

Renate Stadlbauer ist in der Walpurgisnacht des Jahres 1989 auf die Welt gekommen. Sie ist ausgebildete medizinische Masseurin, und hat unter anderem als Bürokraft und als Projektmitarbeiterin eines Frauen-Führungskräfteprogramms gearbeitet. Derzeit lebt sie in Enns und absolviert eine Ausbildung zur Ergotherapeutin in Linz.

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